Digitalisierung der Schulen im Landkreis

Ausschreibungspraxis hinterfragen

06.10.21 –

Klassenzimmer, die wie in den 1980er Jahren nur mit einem Overheadprojektor ausgestattet sind – das gibt es auch zu Beginn des Schuljahres 2021/22 im Landkreis Starnberg noch. Ein Unding wie ich finde. Ich habe deshalb eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt.

In einer Anfrage zum Plenum (AzP) habe ichnachgefragt, wie es um die digitale Ausstattung der Schulen im Landkreis Starnberg steht. Die Antwort bestätigt ihre Befürchtung: Derzeit entsprechen erst 518 Klassenzimmer der Definition “Digitale Klassenzimmer” (ausgestattet mit einem Lehrer*innen-PC, einer Möglichkeit der Großbilddarstellung wie einem digitalen Whiteboard, einer Dokumentenkamera, einem Audiosystem und WLAN).

Es darf nicht sein, dass es immer noch Glück oder Pech ist, ob das Klassenzimmer eine digitale Ausstattung hat! Es muss sichergestellt sein, dass im Laufe diesen Schuljahres JEDES Klassenzimmer entsprechend ausgestattet wird.

Als Kreisrätin weiß ich, dass der Landkreis Starnberg beim Thema Digitalisierung eigentlich ambitionierte Ziele verfolgt. Die Ursache für die schleppende Umsetzung der Digitalisierung liegt in meinen Augen an anderer Stelle: der für die Sachaufwandsträger äußerst herausfordernden Ausschreibungspraxis. 

Diese führt dazu, dass diese für die aufwendigen europaweiten Ausschreibungen jeweils teure externe Beratungsbüros einschalten müssen. Abgesehen von dem Zeitverlust, der hierdurch entstanden ist und dazu geführt hat, dass bislang zwar 5,6 Mio. € aus den Förderprogrammen abgerufen, aber nur 46 % davon auch tatsächlich ausbezahlt wurden (siehe AzP), entsteht hierdurch ein weiterer Missstand: 9% der enormen Fördersummen (insgesamt 5 Mrd. Euro für die Schulen in der Bundesrepublik), fließen gar nicht in die Digitalisierung der Schulen, sondern werden für die Ausschreibungen aufgewandt. 

Das darf sich bei zukünftigen Digitalisierungsprojekten nicht wiederholen. Ich werde mich daher mit ihren Kreistagskolleg*innen mit Konzepten beschäftigen, wie die Digitalisierung der Landkreis-Einrichtungen – nicht nur Schulen, sondern auch Rathäuser und anderer öffentliche Einrichtungen – in Zukunft kostengünstiger, transparenter und einheitlicher gestaltet werden kann.  Eine Möglichkeit ist hier beispielsweise die Einrichtung eines gemeinnützigen Zweckverbandes wie im Landkreis Günzburg.